Tansania

Kilimanjaro Besteigung -
In 7 Tagen auf das Dach Afrikas

Majestätisch erhebt er sich inmitten der Savannenlandschaft Tansanias, der höchste Berg Afrikas mit 5.895m. Und am Fuße stehe ich – mit der verrückten Idee ihn zu besteigen. In genau 6 Tagen möchte ich da oben stehen und auf die Welt hinabblicken. Noch hat er eine friedliche Wirkung auf mich, aber ich weiß, dass es kein Spaziergang wird. Vor mir stehen 7 Tage, gefüllt mit Erschöpfung, Abgeschlagenheit und kalten Nächten, aber auch mit unglaublichen Momenten, viel Motivation und am Ende eines meiner schönsten Erlebnisse in meinem Leben.

Hilfe! Was mache ich hier?!

Die Idee war super: zuerst etwas Wandern, dann Safari und anschließend am Strand entspannen. Perfekt! Flug gebucht!

Vier Monate später sitze ich hier, am Flughafen in Äthiopien, und warte auf meinen Anschlussflug nach Tansania. Morgen startet meine Kilimanjaro Besteigung. Auch wenn der Kilimanjaro der am leichtesten zu begehende Gipfel der Seven Summits sein soll, ist die Höhe nicht zu unterschätzen. Und so stelle ich mir auch jetzt wieder die Frage, ob ich – die noch nicht mal einen 3000er in ihrem Leben bestiegen hat – diesen Giganten tatsächlich bezwingen kann.

Hakuna Matata!

Diese Gedanken schiebe ich sofort wieder zur Seite. Ich liebe Herausforderungen und gehe gerne an meine Grenzen. Da es bei der Kilimanjaro Besteigung eher um die mentale, als um die körperliche Stärke geht, bin ich zuversichtlich und freue mich lieber auf das, was vor mir liegt.

Vorbereitung ist alles …

… zumindest was die Wahl der Route, des Tour-Anbieters und die Ausrüstung für die Kilimanjaro Besteigung betrifft. Klar, vor der Reise war ich öfter wandern als normal und habe im Fitnessstudio speziell meine Beine trainiert, aber alles im Rahmen des Normalen.

Viel wichtiger ist die Strecke und Agentur, die meine Gruppe und mich auf den Kilimanjaro führt. Insgesamt stehen sieben Routen zur Wahl (oder Qual?). Von der einfachen Route mit Hüttenübernachtung bis zur super anspruchsvollen Tour mit kaum Akklimatisierungszeit. Wir entscheiden uns für die Machame-Route, auch bekannt unter „Whiskey-Route“ – warum sie so heißt weiß ich nicht, den Whiskey haben sie bei uns jedenfalls vergessen. Die Machame-Route ist eine der einfacheren Routen auf den Kilimanjaro, aber dennoch nicht so überlaufen wie die Marangu-Route und durch einen zusätzlichen Akklimatisierungstag stehen die Chancen am Gipfel anzukommen sehr gut. (Mehr zu den unterschiedlichen Routen erfahrt ihr in meinem nächsten Blogbeitrag)

Als Agentur war uns ein lokaler Anbieter wichtig. Ich habe viele verschiedene Anbieter angefragt, die eine Kilimanjaro Besteigung in Kombination mit einer Safarie anbieten. Ich habe Preise und Leistungen verglichen und dann haben wir uns schließlich aufgrund von Empfehlungen für die Tour mit Tembo Tamu* entschieden.

Kilimanjaro Besteigung! Es geht endlich los

Nachdem wir am Vorabend unsere Guides getroffen, ein Briefing bekommen haben und unsere komplette Ausrüstung (ja, auch die Unterwäsche!) genauestens geprüft wurde, geht es nach einem unglaublich leckeren Frühstück endlich los.

Frühstück vor der Kilimanjaro Besteigung
So wird das Frühstück die nächsten Tage sicher nicht mehr aussehen …

Kurze Formalitäten am Gate, nochmals Wiegen unseres Gepäcks (max. 20 kg) und dann geht es auch schon los. Nein, die 20 kg schleppe ich selbst nicht da hoch. Neben uns fünf Möchtegern-Bergsteiger begleiten uns drei Guides und elf Träger. Die Guides sind zur Sicherheit dabei, sollte sich aufgrund der Höhe unsere Gruppe splitten müssen, und die Träger, ja wie der Name sagt, tragen in Meisterleistung und in Rekordzeit unser Gepäck von Camp zu Camp – sie haben echt meinen vollen Respekt für das was sie hier leisten.

Es geht los

Haltet die Regenjacke bereit!

Gut gelaunt und voller Elan lassen wir die ersten Meter tropischen Regenwald hinter uns – riesige Bäume mit Lianen und Flechten, Büsche und Wurzeln begleiten uns. Das ist Dschungel-Fieber.

Dem Namen aller Ehre bahnt sich ein Donnern an – das fängt ja schon super an. Gerade rechtzeitig schaffen wir es unsere Regenkleidung anzuziehen. Aus dem schönen Waldweg wird binnen weniger Minuten ein Bach. Die Klimazone verändert sich und wir passieren die Heide- und Moorlandschaft, der Regen lässt glücklicherweise nach knapp einer Stunde wieder nach. Genau hier erwarten uns bereits unsere Zelte. Während wir Kaffee und Kuchen – am Kilimanjaro heißt das Tee und Popcorn – genießen, versuchen wir unsere Sachen in den letzten Sonnenstrahlen zu trocknen. Nach einem unglaublich leckeren Abendessen, steht ein kurzes Briefing für den morgigen Tag an und dann heißt es ab in den Schlafsack – ganz schön frisch draußen.

(Strecke: von 1800m auf 3000m, 11 km, 5-7 Std.)

Pole, Pole!

Am Morgen wird dann erst mal geduscht: eine Schüssel mit warmem Wasser steht bereits vor dem Zelt. Die Wolken haben sich über Nacht verflogen und der Gipfel zeigt sich zum ersten Mal in noch weiter Entfernung. Kaum zu glauben, dass ich tatsächlich jetzt hier stehe.

 

Kurze Zeit später machen wir uns auf den Weg. Unser nächstes Ziel ist das Shira Camp auf 3850m.

Dass der Kilimanjaro gut begangen ist wusste ich ja, aber dass ich mir zum Teil vorkomme, als wäre ich auf einer Trekking-Autobahn hat mich doch etwas geschockt. Der größte Teil sind natürlich die begleiteten Guides und Träger und die ziehen recht schnell an uns vorbei.

Die Luft wird spürbar dünner und der ein oder andere in der Gruppe hat bereits mit leichten Kopfschmerzen zu kämpfen. Da heißt es nur „Pole, Pole“ (Pole = langsam) und viel trinken.

Das Shira Cave Camp zählt zu den schönsten Campsides am Kilimanjaro, da es eine tolle Aussicht zum Mt. Meru und zum Kibo (so heißt der Gipfel des Kilimanjaros) bietet. Leider zeigt sich bei Ankunft aber noch nicht allzu viel davon.

Den Nachmittag lassen wir mit Tänzen und Gesang im Camp ausklingen.

(Strecke: von 3000m auf 3850m, 9 km, 4-6 Std.)

Akklimatisierung ist alles

Ich öffne die Zeltplane und bin sprachlos. Der Abend hatte es schon erahnen lassen, dieses Panorama ist einfach unglaublich. Ich könnte hier stundenlang stehen und den Ausblick genießen.
Nach dem Prinzip „Climb High, Sleep Low“ dient der heutige Tag der besseren Akklimatisierung. Wir steigen auf Richtung Gipfel – zum Greifen nah, aber dennoch liegen knapp 2000 Höhenmeter zwischen uns. Vegetation gibt es auf dieser Höhe kaum noch.

So langsam erreichen wir eine Höhe, bei der es nicht mehr allen so gut geht, Kopfschmerzen und Übelkeit teilweise treue Wegbegleiter sind. Unsere Guides sind aber super: Prüfen die Lage, stellen Fragen und tragen sogar den Tagesrucksack. Am Lava-Tower auf 4600m suchen wir ein trockenes Plätzchen, machen eine Pause und treten dann den Abstieg an. Unser nächstes Camp liegt knapp 700m unter dem höchsten Punkt des Tages. Auftretende Symptome der Höhenkrankheit sollten beim Abstieg langsam wieder nachlassen.

(Strecke: von 3850m auf 4600m und wieder auf 3950m, 12km, 6-7 Std.)

Easy going

Die Nacht war bitter kalt und ich stelle mir die Frage, was ich überhaupt noch alles anziehen kann, um nicht zu frieren. Auch der harte Boden macht sich langsam am Rücken und an den Hüften bemerkbar. Aber nachdem ich mein Zelt öffne, weiß ich wieder warum ich mir das antue.

Vor uns liegt die berühmt berüchtigte Barranco Wall – jetzt heißt es Stöcke in den Rucksack und die Hände kommen an der Felswand zum Einsatz. Das gefällt mir.

Es geht weiter bergauf und bergab und plötzlich kommen wir uns vor wie in einer anderen Welt: eine komplett flache Lava-Ebene und nur vereinzelt ein paar Lava-Brocken.

Bereits um die Mittagszeit erreichen wir das nächste Camp. Am Nachmittag steht nur eine kleine Akklimatisierungswanderung um das Camp auf dem Plan. Inzwischen sind wir nur noch zu viert. Unserem fünften Mann geht es immer noch nicht besser und er beschließt sich im Zelt erst einmal zu erholen.

(Strecke: von 3950m auf 3930m, 7 km, 4 Std.)

Die Luft wird dünner

Das Ziel rückt immer näher und wir sind tatsächlich auf dem Weg zur letzten Übernachtung vor der Gipfelbesteigung. Die Wanderung ist recht kurz, schließlich liegt morgen ein langer Tag vor uns. Dafür sind wir dem Gipfel nah und die Aussicht ist wunderschön.

Abendessen wird bereits um 16.30 Uhr serviert und wir besprechen den Ablauf für den Aufstieg morgen. Bis zum Uhuru-Peak sind es noch über 1000 Höhenmeter. Inzwischen ist es auch unglaublich kalt und während des Briefings fängt es tatsächlich an zu schneien. Oh no!

Dann heiß es ab in den Schlafsack. Um 23.30h klingelt bereits der Wecker, sodass wir um Mitternacht den Aufstieg antreten können.

(Strecke: von 3930m auf 4600m, 6 km, 3 Std.)

Kilimanjaro Gipfelbesteigung

Wenn jeder Schritt zur Qual wird

An Schlaf war nicht zu denken. Es war A… kalt und auch die 1000 Schichten an Klamotten, Schlafsack und Rettungsdecke haben mir nicht die Wärme gegeben, die ich gerne gehabt hätte. Und dazu der Schneesturm vor unserem Zelt. Die Gedanken drehen sich nur noch darum, wie der Aufstieg wohl wird, wenn es so weiter schneit und dass ich unbedingt schlafen muss. Klappt ja immer super.
Pünklich um 23h ist es komplett still – es hat tatsächlich aufgehört.
Dann heißt es auch schon aufstehen und anziehen. Geschlafen haben wir alle nicht wirklich viel. Wir füllen noch schnell unsere Wasserbeutel und die Nahrungsvorräte auf und wärmen uns noch mit einer Tasse Tee.

Wir sind bereit!

Nur mit Stirnlampe ausgestattet treten wir in die Dunkelheit hinaus. So setzen wir im Kegel des Lichtes einen Fuß vor den anderen, nicht mehr als notwendig, um Energie zu sparen. Es wird immer kälter, mein Wasser ist inzwischen auch eingefroren, meine Finger brennen und ich frage mich, was ich hier eigentlich mache. In der Dunkelheit ist außer den Lichtern vor uns nichts zu erkennen. Ich habe absolut kein Zeitgefühl und an Pausen ist nicht zu denken, denn dafür ist es viel zu kalt. Und so laufe ich wie in Trance immer weiter Richtung Gipfel. Schritt für Schritt und doch möchte das Ziel nicht näherkommen.

Ein Überschuss an Glückshormonen

Plötzlich erscheint hinter uns am Horizont eine erste Färbung, die Sonne geht langsam auf und vor uns liegt der Stella Point, das 1. Etappenziel. Ein Glücksgefühl breitet sich langsam in meinem Körper aus, ich kann es nicht fassen. Nur noch wenige Meter trennen mich davon. Und dann habe ich es geschafft! Ich stehe am Stella Point auf 5.756 Metern! Das ist ein Moment, den ich nicht in Worte fassen kann und auch die Bilder können nur einen kleinen Einblick geben. Ein Moment, der mir die ein oder andere Träne über die Wange bringt.

Von hier sind wir dem Gipfel nahe. Nur noch 150 Höhenmeter, aber die schaffe ich auch noch. Voller Adrenalin und Übermut laufe ich zügig los. Ein Fehler, die Luft geht mir viel zu schnell aus und mein Herz rast unglaublich. Also wieder langsam und die Landschaft genießen. Die Sonne bringt wärme mit, was meinem Körper unglaublich guttut.

Nach knapp 7 Stunden Aufstieg stehen wir um 7.15 Uhr auf dem Gipfel. Wir sind genau jetzt die höchsten Punkte Afrikas! Was für ein Gefühl!

(Strecke: von 4600 auf 5895m, 7km, 6-8 Std.)

Kilimanjaro Gipfelbild

Wenn die Kräfte ausgehen

Man könnte meinen man hat es geschafft. Dass jetzt aber der schlimmste Teil der ganzen Route auf mich wartet, wusste ich vorher nicht. Meine ganzen Kräfte habe ich in den Aufstieg gesteckt, komplett geplättet und übermüdet geht es über matschiges Geröll, bedeckt vom langsam schmelzenden Schnee, nach unten. Mein Körper ist kraftlos und ich kann kaum mehr klar denken. Eine unglaubliche Qual. Im Camp angekommen habe ich das erste Mal Kopfschmerzen und das unglaublich heftig. Ein kurzer Nap bewirkt Wunder und ich bin bereit um weiter abzusteigen. Es liegen noch viele Kilometer vor uns.

Nach 13 Stunden wandern falle ich am Abend total k.o. aber unglaublich glücklich ins Bett. So gut habe ich schon lange nicht mehr geschlafen.

(Strecke: von 5895m auf 3100m runter, 23km, 6-7 Std.)

Abschied vom Berg

Heute heißt es Abschied nehmen vom Berg. Ein wohl verdientes Kilimanjaro Bier erwartet uns am Ziel und wir schauen auf eine unglaublich tolle Tour zurück. Jetzt freuen wir uns aber erst einmal auf eine Dusche und ein Bett.

(Strecke: 3100m auf 1800m, 8 km, 3-4 Std)

Asante Sana!

Danke!
Für mich war die Kilimanjaro Besteigung eine unglaubliche Erfahrung. Auch wenn der Berg ein absoluter Touristenmagnet ist, habe ich diese Tour unglaublich genossen. Ich bin an meine Grenzen gestoßen, habe sie überschritten und bin am Ende mit wundervollen Tagen und einem faszinierenden Sonnenaufgang am Gipfel belohnt worden.
Wandertechnisch ist die Besteigung des Kilimanjaros gut machbar. Die Höhe sollte allerdings nicht unterschätzt werden und das wichtigste überhaupt ist es auf den Körper zu hören!

Bist du bereit für deine Kilimanjaro Besteigung? Ich freue mich über eure Gedanken dazu.

Mein Buchtipp*

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