8-Tage auf dem O-Trek durch Patagoniens Traumlandschaft​

8 Tage, 125 km, von Sturm, Schnee bis Sonnenschein – alle Jahreszeiten an einem Tag und 1000 unvergessliche Eindrücke.

Der Nationalpark Torres del Paine ist eine der beliebtesten Wanderregionen in Chile und ist für seine Schönheit bekannt. Die Wanderrouten führen durch eine faszinierende Landschaft mit türkisblauen Seen, Gletschern und vorbei an mächtigen Berggipfeln.

Ich nehme euch hier mit auf meine 8-tägige Wandertour auf dem O-Trek durch Patagoniens Nationalpark Torres del Paine.

1. Tag Anreise Torres del Paine – Camp Séron (14 km, 3-4 Std., 270m ↑ 240m ↓)

Ich reise mit dem Bus von Puerto Natales aus an. Nach 2 Stunden erreichen wir die Lagune Amarga. Von hier aus startet der O-Trek, naja zumindest fast. Es geht nochmals knapp 20 Minuten mit einem kleinen Shuttle zum offiziellen Eingang. Meine Campreservierungen, sowie meine Eintrittskarte wird hier nochmals kontrolliert. Dann geht es endlich mit vollgepacktem Backpack und bei Sonnenschein los. Ich bin happy und freue mich auf die nächsten Tage.

Nach kurzer Zeit biege ich links ab. Nach einem kurzen Aufstieg, der mich mit meine Backpack aber deutlich aus der Puste bringt erhasche ich den ersten Blick auf die Türme. Da ist mein Lächeln wieder zurück.

Der weitere Weg ist sehr entspannt, es geht größtenteils flach durch Wald und Wiesen und am Rio Paine entlang. Tatsächlich bin ich alleine unterwegs – was für eine Einsamkeit!

Am Mittag erreiche ich das Camp Séron, baue mein Zelt auf und koche mir ein Mittagessen. Ich bin überwältigt von der Landschaft und mache noch einen kleinen Ausflug zum Fluss. Hier setze ich mich an den Strand und genieße einfach nur die Ruhe… Ich bin glücklich und komme innerlich zur Ruhe.

2. Tag Camp Séron – Refugio Dickson (18,5 km, 4-6 Std., 250m ↑ 180m ↓)

Nach einem warmen Frühstück geht es los Richtung Refugio Dickson. Der Weg führt wieder am Rio Paine entlang. Auch hier führt der Weg wieder nach oben – ganz ehrlich, ich bin froh, wenn mein Essen langsam abnimmt und ich nicht so viel schleppen muss 😉

Nach knapp 2 Stunden komme ich an das Rangerhaus, hier werden nochmals meine Reservierungen für die nächsten Nächte geprüft.

Mein heutiges Ziel ist das Dickson Camp, ich habe schon tolles gehört, bin aber komplett sprachlos, als ich den ersten Blick auf das Camp von oben erhaschen kann.
Das Camp Dickson liegt direkt am See mit Blick auf den Gletscher. Ich kann es kaum abwarten dort anzukommen. Also beeile ich mich mit dem Abstieg, baue mein Zelt auf und gehe so schnell wie möglich zum See.

Geschockt bleibe ich stehen und traue meine Augen nicht: Riesige Eisberge schwimmen hier im Wasser und liegen direkt vor unserem Camp. So etwas habe ich noch nie gesehen.

Also wenn ihr mich sucht… die nächsten Stunden findet ihr mich genau hier…

3. Tag Refugio Dickson – Camp Los Perros (12,5 km, 3-4 Std., 270m ↑ 240m ↓)

Die heutige Wanderung ist nicht so lange, weshalb ich ausschlafe und die Aussicht nochmals genieße bevor ich losziehe.

Der Weg führt stetig bergauf mit wunderschönen Aussichten.

Oben angekommen zeigt sich der Perros Gletscher direkt vor mir. Rechts daneben liegt mein Camp für die nächste Nacht.

Es beginnt zu Regnen und die Temperaturen fallen stark. Ich ziehe mich in mein Zelt und meinen warmen Schlafsack zurück und lasse den Tag nochmals Revue passieren.

4. Tag Camp Los Perros – John Garner Pass – Grey Glacier – Refugio Grey (15,5 km, 6-8 Std., 680m ↑ 1100m ↓)

Der heutige Tag wird lang und anstrengend. Es fällt mir schwer im Dunkeln und bei der Kälte aus meinem Schlafsack zu kommen. Aber nützt ja nichts… Mit Stirnlampe bewaffnet geht es los.

Der John Garner Pass kann eine ganz schöne Herausforderung sein, wenn das Wetter nicht mitspielt. Es geht zuerst durch einen kleinen Wald, wegen des Regens gestern ist es ziemlich matschig und rutschig. Das geht auf’s Gemüt. Dafür meint es das Wetter heute dafür sehr gut mit uns. Es kann ja nicht immer alles super sein 😉

Weiter geht es über Geröll und Stein. Der Wind bläst mir nun um die Ohren und mein Rucksack ist gefühlt auch schwerer als sonst. Immer wieder drehe ich mich um und genieße die Aussicht ins Tal. Der letzte Abschnitt fordert nochmals einiges an Kräften, der Schnee ist teilweise sehr rutschig und ich muss teilweise aufpassen nicht zu weit einzubrechen.

Erschöpft erreiche ich den Pass,  aber das WOW kommt mir ganz einfach über die Lippen. Vor mir liegt ein Meer aus Eis. Unglaublich diese Weite des Grey Gletschers. Geschafft aber happy suche ich mir ein windstilles Plätzchen und genieße meinen Frühstückssnack.

Aber es stehen noch einige Kilometer vor mir. Von jetzt an geht es bergab am Grey Gletscher entlang. Zur Mittagszeit erreiche ich Camp Paso. Ich entscheide mich nicht hier zu übernachten, sondern riskiere es und hoffe auf einen Camping Platz im Refugio Paine Grande. Zur Not habe ich eine nette Gruppe kennengelernt, die mich in ihrem Camp aufnehmen würde 😉

Der nächste Abschnitt ist wohl einer der schönsten hier im Park. Der Weg führt entlang der Klippen mit ständigem Blick auf den Gletscher.
Wunderschön. Ich muss mich ganz schön zügeln, damit ich weiterlaufe und nicht ständig anhalte und Fotos schieße.

Ich habe Glück und bekomme noch einen CampSpot.  Allerdings werde ich von dem Trouble her überrannt. Die Ruhe, die ich auf dem O-Trek – also dem hinteren Teil hatte, ist nun vorbei. Ich habe das W erreicht. Es sind super viele Menschen unterwegs, es gibt ein tolles Restaurant und eine Bar, ziemlich touristisch eben und ich stelle mich darauf ein, dass ich von nun an kaum mehr alleine unterwegs sein werde.

5. Tag Refugio Grey – Refugio Paine Grande (11 km, 3 Std., 250m ↑↓)

Nach dem langen Tag gestern geht es heute wieder entspannter weiter. Zur Mittagszeit erreiche ich das Camp Paine Grande am wunderschönen Lago Pahoe. Ich suche mir einen windgeschützten Campspot und baue mein Zelt auf. Der Wind hier kann manchmal ziemlich heftig sein und tatsächlich sehe ich später einige Zelte davonfliegen.

Es beginnt starkt zu regnen und dieses Mal bin ich tatsächlich froh, dass es hier so touristisch ist. Ich setze mich zu anderen Wanderern an die Bar und lass mir meinen Happy Hour Cocktail schmecken – den habe ich mir auch verdient 🙂

6. Tag Refugio Paine Grande – Mirador Británico – Refugio Los Cuernos (15 km, 4,5-6 Std., 500m ↑, 450m ↓)

Ich mache mich sehr früh auf zum Campo Italiano, um etwas Vorsprung zu den Menschenmassen zu haben. Am Camp Italiano lasse ich mein Gepäck zurück und möchte zum Mirador Britanico aufsteigen. Aufgrund der Wettervorhersage raten die Ranger  ab komplett bis zum Endpunkt zu gehen. Schon beim Aufstieg merke ich wie der Wind immer stärker wird und es fängt an zu schneien. Ich entscheide mich umzudrehen, was aber nicht besonders schlimm ist, denn die Aussicht von hier ist bereits wunderschön.

Zurück im Camp Italiano schnappe ich meinen Backpack und mache mich auf zum Refugio Los Cuernos. Gar nicht so einfach, teilweise muss ich mich heftig in den Wind legen um voran zu kommen. Am Abend wird der Wind so stark, dass ich echt bedenken habe, wie mein kleines Zelt das durchstehen soll. Aber es ist stabiler als es aussieht und mein Campspot ist zwar weit entfernt von allem, aber dafür an einem etwas windgeschützteren Platz.

Durch Zufall treffe ich hier übrigends meinen Couchsurfing-Host von Punta Arenas, der Guide im Torres del Paine Nationalpark ist. Ich habe mit den Guides einen sehr amüsanten Abend.

7. Tag Refugio Los Cuernos – Refugio Chileno – Camping Torres Central (18 km, 5-6 Std., 550m ↑, 420m ↓)

Das Camp am Refugio Chileno war leider komplett ausgebucht und das Camp Torres war diese Saison geschlossen, somit habe ich nur eine Reservierung im Torres Central bekommen. Ich wollte es aber trotzdem versuchen, starte deshalb wieder früh und nehme den Umweg in Kauf.

Die Wanderung führt über Wiesen, vorbei an Seen und anschließend steil bergauf.

Leider klappt es mit dem Campingplatz nicht, aber ich bin froh die Strecke schon vorher zu sehen, damit ich für morgen weiß, wie ich mir die Zeit einteilen muss.

8. Tag Camp Terros Central – Mirador Base de las Torres – Rückreise (20 km, 5-6 Std., 850m ↑↓)

Mein Wecker klingelt um 5.30h, für mich absolut keine Zeit um aufzustehen, besonders nicht wenn es draußen nieselt und kalt ist.

Ich nehme nur das nötigste mit und lasse den Rest im Zelt, das ich später abbauen werde. Der Aufstieg hat es in sich. Der letzte Abschnitt ist der anstrengendste und geht über Fels und Stein. Trotzdem bin ich recht schnell oben.
Es hat zwar aufgehört zu regnen, aber Wolken versperren mir die Sicht auf die Türme 🙁

Das Wetter in Patagonien kann sich so schnell ändern, weshalb ich mich entscheide noch etwas hier zu bleiben. Es ist schweinekalt hier oben und ich klettere die Felsen hoch und runter, mache Bilder, um in Bewegung zu bleiben.
Und dann schafft sie es tatsächlich, die Sonne setzt sich durch die Wolken durch und die ersten Sonnenstrahlen erreichen mein Gesicht. Die Türme zeigen sich doch noch. Juhu. Ich genieße den Anblick und muss mich dann beeilen. Ich muss noch meine Sachen und das Zelt im Camp zusammenpacken und den Shuttle-Bus zurück erreichen.

Fazit zu meiner 8-tägigen Trekking-Tour im Torres del Paine Nationalpark

8 Tage, 125 km, von Sturm, Schnee bis Sonnenschein – alle Jahreszeiten an einem Tag und 1000 unvergessliche Eindrücke.

Ich bin einfach nur glücklich. Ich habe versucht meine Erlebnisse mit meiner Kamera festzuhalten, aber keines der Bilder kann nur ansatzweise wiedergeben, was ich hier erlebt habe.

Den Trek alleine zu machen war eine wunderschöne Erfahrung und ich kann es nur empfehlen. Ich werde immer wieder gefragt, ob es mir nicht langweilig ist so ganz alleine. Nein im Gegenteil. Ich habe mich so toll und frei gefühlt, ich fühlte mich komplett verbunden mit der Natur, konnte die Natur genießen und so richtig abschalten. Ich hatte sehr viel Zeit über mich selbst nachzudenken und mir wurde auf dieser Wanderung so vieles erst richtig bewusst. Abends habe ich mich dann – wenn ich Lust hatte – mit anderen Wanderern zusammengesetzt und zu Abend gegessen oder einfach nur gequatscht.

Traut euch alleine los zu wandern, die Wanderung ist super um alleine zu starten. Die Wege sind deutlich zu erkennen und es sind doch einige unterwegs, ihr könnt auch sicher auch anderen Wanderern anschließen.

Ich werde definitiv wieder nach Patagonien kommen.

Planst auch du einen Besuch im Torres del Paine Nationalpark gebe ich dir hier Tipps zur Vorbereitung & Planung

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